Kapitel 03

Für die Hater

Peinliche Katastrophen und große Niederlagen
4 Min. LesezeitAktualisiert: März 2026
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Die höchste Heim-Niederlage von Bayer Leverkusen: Die höchste Heim-Niederlage von Bayer Leverkusen (Stand: Dezember 2019) gibt es ausgerechnet in einem der vielen rheinischen Derbys. Am 14. Februar 1981 verliert Bayer 04 gegen Borussia Mönchengladbach mit 1:5. Am 21. Januar 1984 triumphieren auch die Bayern mit dem gleichen Ergebnis im Ulrich-Haberland-Stadion. Desaströs ist das 3:6 vom 29. August 2010, wieder gegen Mönchengladbach. Nie zuvor hat Leverkusen sechs Gegentore in einem Bundesliga-Heimspiel hinnehmen müssen. Ähnlich peinlich: Am 8. Spieltag der 2. Bundesliga Nord gibt es in der Saison 1977/78 ein 0:4 gegen Rot-Weiß Lüdenscheid.

Höchste Auswärtsniederlage: Die höchste Auswärtsniederlage gibt es gegen Borussia Dortmund. Aber nicht in der Bundesliga, sondern in der 2. Bundesliga NORD. In der Saison 1975/1976 schlägt der BVB den SV Bayer 04 Leverkusen am 12. Spieltag mit 7:0.

Längste Niederlagenserie: Die längste Niederlagenserie gibt es in der Saison 2002/03. Fünf Spiele hintereinander verliert die „Werkself“ vom 17. bis zum 21. Spieltag.

Die meisten Niederlagen pro Saison: Die meisten Niederlagen pro Saison gibt es gleich zwei-mal. 18 Spiele verliert Bayer Leverkusen sowohl in der Zweitligasaison 1975/6 als auch in der Bundesliga in der Saison 1981/82.

Meisten Spiele hintereinander ohne Sieg: Auch diesen Negativrekord gibt es gleich zwei-mal. 13 Spiele in Folge ohne Sieg schaffen die Farbenstädter sowohl in der Saison 1980/81 als auch in der Spielzeit 1995/96.

Vizekusen Unterhaching Meisterschaft 2000 Bayer Leverkusen
„Vizekusen“ wird nicht Deutscher Meister – Unterhaching gewinnt das letzte Spiel der Saison 1999/00. Foto: Imago Images/Kolvenbach

Peinlichste Wende in einem Pokal-Spiel: Die peinlichste Wende in einem Pokal-Spiel von Bayer 04 liefern Michael Ballack und Co. 2011 in Dresden Eine 3:0-Führung der Leverkusener dreht der Zweitliga-Aufsteiger in nur 22 Minuten in ein 3:3 und drei Minuten vor dem Ende der Verlängerung wird das Rudolf-Harbig-Stadion durch das 4:3 für Dynamo endgültig zum Tollhaus. Leverkusen ist blamiert.

Nichts zu korrigieren gibt es bei der international größten Pleite im Champions-League-Achtelfinale 2011/12: 2:10 in der Addition gegen den FC Barcelona. In einer CL-Gruppenphase bedeutet das 0:5 gegen Manchester United am 27. November 2013 die höchste internationale Pleite. In der Bundesliga gibt sich die „Werkself“ rein ergebnismäßig nie peinlicher als beim 1:6 bei Aufsteiger Hannover 96 am 26. März 1988 (Stand: jeweils Dezember 2019).

In zwei Spielen fünf Punkte Vorsprung vergeigt: Die Saison 2001/02 sieht Bayer Leverkusen drei Spieltage vor dem Ende eigentlich schon als Meister. Fünf Punkte beträgt der Vorsprung auf Verfolger Borussia Dortmund, was soll da noch schiefgehen? Kurz gesagt: So ziemlich alles! Eine zu lässige Heim-Vorstellung gegen Werder Bremen (1:2) mit einem verschossenen Elfmeter von Keeper Hans-Jörg Butt und dann ein 0:1 beim abstiegsgefährdeten 1. FC Nürnberg! Dortmund gewinnt seine beiden Spiele gegen Köln und in Hamburg (2:1 u. 4:3) und zieht an Bayer vorbei. Vor dem letzten Spiel gegen die Hertha hat es der „ewige Zweite“ nicht mehr in der eigenen Hand. Mit leichenbitterer Miene sitzen Manager Reiner Calmund und Trainer Klaus Toppmöller im Presseraum des Nürnberger Stadions. „Et is in unserer Gesellschaft nun mal so, dass nur Titel zählen“, sinniert Calmund, „und wenn du keinen Titel holst, dann kannst‘ das Ding abhaken!“ Stimmt. Dortmund wird Meister, Bayer Zweiter, Haken dran. „Vizekusen“ – und ein Fest für Spötter. Im Dortmunder Westfalenstadion rollen sie vor dem Finale gegen Bremen (2:1) ein Plakat aus: „Nicht mal Ottmar wird mit LEV Meister!“

Unterhaching - Schwarz schafft Distanz: Wenn jemand nach der Herkunft des Begriffs „Vizekusen“ forscht, so wird er auch am 20. Mai 2000 fündig. Mit drei Punkten vor dem FC Bayern, aber mit der schlechteren Tordifferenz, geht Bayer Leverkusen ins letzte Spiel bei Neuling Spvgg. Unterhaching. Nach dem 4:1 am 33. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt hat Bayer-Coach Christoph Daum den Druck auf seine Mannschaft gewaltig erhöht: „Wir werden in Unterhaching die Meisterschaft einfahren, basta.“ Die Münchner Vorstädter wollen den Rheinländern unbedingt eins auswischen – und dem großen Nachbarn FC Bayern helfen. So kommt es, wie es kommen muss. Verkniffen und in dunklen Anzügen sitzen die Bayer-Bosse Reiner Calmund und Rudi Völler auf der Tribüne des engen Sportparks in Unterhaching. Irgendwie scheint sie ein ungutes Gefühl beschlichen zu haben. Die Bayern üben mit einer frühen 3:0-Führung im Parallelspiel gegen Werder Bremen Druck auf Leverkusen aus. „Schwarz schafft Distanz“, philosophiert SAT-1-Reporterlegende Werner Hansch beim Anblick des ungleichen Duos Calli und Rudi, „und als Kontrast dazu das leuchtende Weiß der Leverkusener auf dem Rasen.“ Der weiße Auswärtsdress wird nicht zum Meistertrikot. Warum? Weil erst Michael Ballack ein kapitales Eigentor unterläuft, Haching-Keeper Gerhard „Gerry“ Tremmel hält, als würde er von Uli Hoeneß Geld bekommen und Ex-Bayer Markus Oberleitner Leverkusen mit dem 2:0 die Meisterschale weggeköpft. Dass Daum und sein Sohn Marcel anschließend auf der Tribüne weinen, bekommen die Hachinger Helden nicht mehr mit. „Wir haben uns von den eigenen Fans und von den Bayern-Anhängern, die zu uns in den Sportpark gepilgert waren, feiern lassen“, sagt Oberleitner 2019 in der SPORT BILD-Serie „Spiel des Lebens“, „die Bilder danach waren aber schon krass.“

Die Fast-Abstiegs-Saison 1995/96: Peinlicher geht es unterm Bayer-Kreuz seltener zu als in der ersten Spielzeit mit 3-Punkte-Regelung. Am 34. Spieltag kommt es im Haberland-Stadion zum „Abstiegs-Endspiel“ gegen den 1. FC Kaiserslautern. Minuten vor dieser unglaublich brisanten Partie taucht der von Bayer beurlaubte Skandal-Profi Bernd Schuster im Stadion auf. Er stellt seinen Mercedes demonstrativ auf dem Spielerparkplatz ab und sagt „Ich will hier nur Fußball gucken.“ Ein Affront, Bayer liegt mit dem „blonden Engel“ im Rechtsstreit, aber eben auch ein typischer Schuster. Lautern, das dieses Spiel unbedingt gewinnen muss, führt bis in die Schlussphase mit 1:0 durch Pavel Kuka. Bayer Leverkusen wäre somit abgestiegen! Acht Minuten vor dem Ende rettet Markus Münch nach einem unsauber herausgespielten Konter – Leverkusen gibt nach einer Spielunterbrechung wegen Behandlung eines eigenen Spielers den Ball nicht an den FCK zurück, sondern behält ihn in den eigenen Reihen – die Rheinländer mit dem 1:1-Ausgleich. „Bei diesem Spielstand“, so Münch später in 11 FREUNDE, „ging es um alles, um Millionen, um die Zukunft des Vereins. Da gibt es kein Fair Play.“ Pech für alle Leverkusen-Hater. Dieser Treffer verhindert wohl den längerfristigen Absturz des „Plastikklubs“ vom Rhein. 1995/96 ist dennoch ein Fest für alle Gegner der „Bayer-Löwen“.

Die schlechteste Bayer-Ausbeute der 3-Punkte-Ära: 36 Zähler – schlechter ist Leverkusen nur in der Saison 1981/82, als man mit umgerechnet 34 Punkten in die Relegation muss.

Die zweithöchste Zahl an Unentschieden: 14 Remis kosten Bayer beinahe den Kopf. Nur 1989/90 (15 Unentschieden) spielt man in der Bundesliga noch häufiger Remis.

Die schlechteste Heimbilanz aller Zeiten: Nur 20 Punkte holt die Bayer-Elf aus 17 Heimspielen.

Wenigste Heimsiege aller Zeiten: Nur viermal gelingt Bayer ein Sieg – gegen Hansa Rostock (2:0), 1860 München (2:1), Eintracht Frankfurt (2:0) und KFC Uerdingen (2:1).

Vizekusen? Das Image wurde mit dem Meistertitel 2024 endgültig beerdigt. Jahrzehntelang war Leverkusen der Verein, der alles beinahe gewann – Vizemeister, Pokalfinalist, CL-Finalist, aber nie Sieger. Die Saison 2023/24 unter Xabi Alonso beendete dieses Narrativ so gründlich, dass den Hatern kaum noch Angriffsfläche blieb. Ungeschlagen Meister – das hatte in der Bundesliga zuletzt der FC Bayern geschafft.

Alle Kapitel: 01. Prolog 02. Good to Know 03. Für die Hater 04. Für die Lover 05. Schlüsselfiguren 06. Personae Non Gratae 07. Tragisch 08. OMG — Oh My God 09. Fun Facts 10. Special Moments 11. Weise Worte 12. Steckbrief [Annex]
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