Fun Facts
Vierzehn Randnotizen aus vier Jahrzehnten Werkself: Rekordhalter, Tabellenspitzen, Trainerkuriositäten und Beinahe-Triumphe, die jenseits des Vizekusen-Etiketts die eigentliche Bayer-Statistik erzählen.
Herbert Waas — der erste Nationalspieler aus Leverkusen
Mit 19 Jahren, acht Monaten und 30 Tagen wird Herbert Waas 1983 der erste DFB-Debütant in Bayer-Diensten.
,,Herbert war’s!“ Oder anders: Herbert Waas, denn so heißt der erste deutsche Nationalspieler, den Bayer 04 Leverkusen abstellt. Der gebürtige Passauer gibt am 7. Juni 1983 sein Debüt im deutschen Nationalteam, er ist 19 Jahre, acht Monate und 30 Tage alt – und damit nur ein halbes Jahr älter als Kai Havertz bei seiner Länderspielpremiere am 9. September 2018.
Dass Bayer Leverkusen eine „Titel-Allergie“ anhaftet, ist bekannt. Weniger bekannt sind diese Fakten…
Meister wurde Bayer — aber nur in Liga zwei
In der Bundesliga klappt es bis 2019/20 nicht, doch 1978/79 holt „der Bayer“ die Zweitliga-Meisterschaft Nord.
Leverkusen kann doch Meister: Eine Bundesliga-Saison mit Bayer Leverkusen als Meister gibt es bis zur Spielzeit 2019/20 nie. Sehr wohl aber eine Zweitliga-Saison. Die Saison 1978/79 schließt ,,der Bayer“, wie das Team damals genannt wird, als Meister der 2. Bundesliga NORD ab.
Zwei Weltmeister auf der Bank — Völler und Vogts 2000/01
In der Saison 2000/01 sitzen mit Rudi Völler und Berti Vogts gleichzeitig zwei Weltmeister-Trainer bei Bayer unter Vertrag.
Zwei Weltmeister auf der Bank: Die turbulente Saison 2000/01 bringt Bayer 04 das seltene Vergnügen ein, gleich zwei Weltmeister als Trainer zu beschäftigen. Während Sportdirektor und Bundestrainer Rudi Völler (Weltmeister 1990) nach Christoph Daums Kokain-Eigentor seinen dritten Job als Aushilfscoach glänzend meistert und vom Boulevard als Riese gefeiert wird, scheitert der im November 2000 verpflichtete Ex-Bundestrainer Berti Vogts (Weltmeister 1974) bei seinem einzigen Bundesligajob ziemlich kläglich. Bayer kommt zwar auf den letzten Drücker noch in die Champions League, doch Vogts, der sich mit Stars wie Michael Ballack verkracht, wird samt namhafter Entourage (Toni Schumacher, Pierre Littbarski, Wolfgang Rolff) nach nur sechs Monaten wieder entlassen.
Vizekusen in Zahlen: 70 Tabellenführungen ohne Titel
70-mal stand Bayer 04 bis Dezember 2019 an der Bundesliga-Tabellenspitze — ohne je Meister zu werden.
Tabellenführer der Nicht-Meister: ,,Vizekusen“ – da ist was dran! Diese Zahl macht die Dinge nicht besser. 70-mal steht Bayer 04 an der Tabellenspitze der Bundesliga (Stand Dezember 2019), Meister wird man bis zum Ende der Saison 2018/19 aber nie.
Die beiden anderen Nichtmeister aus den Top 10 der Bundesliga-Spitzenreiter – FC Schalke 04 und Eintracht Frankfurt – stehen je 58-mal auf der Pole Position (Stand Dezember 2019).
Erstmals Tabellenführer: 3. Spieltag 1986/87
Am 3. Spieltag der Saison 1986/87 grüßt Bayer 04 zum ersten Mal von Platz eins der Bundesliga.
Bayer auf Platz 1: Das gibt es zum ersten Mal am 3. Spieltag der Saison 1986/87. In jener Saison glückt nur Bayer ein Sieg über Meister Bayern (3:0 in München), aber es springt nur Platz 6 heraus.
Ulf Kirsten, der Bayern-Schreck mit elf Toren
Elf Treffer in 20 Bundesligaspielen gegen den FC Bayern — nur drei Spieler trafen den Rekordmeister häufiger.
Der Bayern-Schreck: Ulf Kirsten hat in 20 Bundesliga-Spielen elfmal gegen den großen FC Bayern München getroffen. Nur drei Spieler sind während ihrer Bundesliga-Karriere noch besser. Es sind dies der ehemalige Bayer-Coach Klaus Toppmöller und Vize-Weltmeister Klaus Fischer (je 12 Tore) und der im Mai 2019 verstorbene Ruhrpott-Stürmer Manfred Burgsmüller (13).
Die Zittersaison 2002/03 nach dem Vize-Triple
Ein Jahr nach drei verpassten Titeln rettet sich Bayer 04 erst am letzten Spieltag in Nürnberg vor dem Abstieg.
Das Horror-Jahr: 2002/03 ist eine Zittersaison, wie sie Reiner Calmund ,,dem ärgsten Feind nicht wünschen möchte“. Erst am letzten Spieltag rettet sich Bayer 04 im direkten Duell beim 1. FC Nürnberg (1:0) vor dem Abstieg – und das in der Saison nach dem ,,Vize-Triple“ von 2002. Die Trainer Klaus Toppmöller und Thomas Hörster müssen gehen, erst Ur-Bayer Klaus Augenthaler rettet den taumelnden Bayer-Klub vor der Zweitklassigkeit.
Relegation 1982: Sieg gegen Kickers Offenbach
Rang 16 bedeutet 1981/82 Bayers schlechteste Bundesligaplatzierung — und die Premiere der Relegationsspiele.
Relegation: Rang 16 bedeutet in der Saison 1981/82 nicht nur die schlechteste Platzierung für Bayer im Fußball-Oberhaus, sondern auch den Gang in die Bundesliga-Relegationsspiele. In der Premiere dieser Entscheidungsspiele setzt sich Leverkusen gegen Kickers Offenbach mit 1:0 und 2:1 durch – und bleibt oben!
Jens Nowotny — der Rot-Rekordhalter der Bundesliga
Achtmal Rot oder Gelb-Rot: Bis Dezember 2019 fliegt kein Bundesligaspieler häufiger vom Platz als Nowotny.
Rot-Rekord: Kein Bundesliga-Spieler fliegt bis Dezember 2019 häufiger vom Platz als Bayer Leverkusens Jens Nowotny. Der ehemalige Nationalspieler sieht achtmal Rot oder Gelb-Rot, ohne je im Verdacht gestanden zu haben, ein übler Treter zu sein. Nur etwas ungeschickt.
Vize-Triple 2002 — und Lucio holt den WM-Titel
2002 verspielt Bayer drei Titel, vier Nationalspieler holen WM-Silber, nur Lucio kehrt als Weltmeister zurück.
Alles Vize oder was? 2002 bleibt für immer als das Jahr des ,,Vize-Triple“ für Bayer Leverkusen in Erinnerung. Die deutschen Nationalspieler Michael Ballack, Hans-Jörg Butt, Bernd Schneider, Carsten Ramelow und Oliver Neuville bringen sogar von der WM in Japan und Südkorea noch eine vierte Silbermedaille mit.
Nur einer wird Weltmeister: Der Brasilianer Lucio, der im Finale von Yokohama auf der richtigen Seite steht.
Vom Hertha-Pokalfinale zur Klublegende Ramelow
Beim DFB-Pokalsieg 1993 gegen die Hertha-Bubis fällt einer auf, der zwei Jahre später nach Leverkusen wechselt.
Der Hertha-Bubi wird ein Bayer-Löwe: 1993 holt Bayer 04 in Berlin gegen die ,,Hertha-Bubis“, die zweite Mannschaft von Hertha BSC, den DFB-Pokal. Einen Spieler kann man da wohl schon sichten. 1995 wechselt Carsten ,,Calle“ Ramelow unters Bayer-Kreuz – und wird bis zu seinem Abschied 2008 mit 333 Bundesligaspielen zu einer Klublegende.
Drei Torjägerkanonen für Ulf Kirsten, eine für Kießling
181 Bundesligatore und drei Torschützenkronen machen Ulf Kirsten zum Rekord-Knipser des Klubs.
Die Torjäger: Bayers Rekord-Knipser Ulf Kirsten (181 Tore) wird 3-mal (1993, 1997, 1998) bester Torschütze in der Bundesliga. Die Torjägerkanone schnappt sich 2013 auch Stefan Kießling.
Bernd Schneider — der „weiße Brasilianer“
271 Spiele, 36 Tore und ein Spitzname, der seine Technik adelt: Bernd Schneider von 1999 bis 2009 in Leverkusen.
Von 1999 – 2009 spielt Bernd Schneider für Bayer Leverkusen. Und das 271-mal. Er schießt 36 Tore. Weil er so gut mit dem Ball umgehen kann, tauft ihn der Boulevard den „weißen Brasilianer“. Ein komplizierter Bandscheibenvorfall beendet seine Karriere.
B04 — Financial Stability Score
Double-Saison und Wirtz-Transfer haben die Bilanz auf den stärksten Stand der Clubgeschichte gebracht. Aber: Das Geschäftsmodell steht und fällt mit Bayer AG. Wenn der Konzern — in der tiefsten Krise seit Bestehen — das Fußball-Engagement hinterfragt, hat Leverkusen keine alternative Erlösbasis. Die Bilanz zeigt einen Top-4-Club; die Konzernabhängigkeit zeigt eine Werkself.
Pokale, Rekorde und ein Wunderkind
Mehr Titel zwischen 2022 und 2024 als in vier Jahrzehnten davor und ein Florian Wirtz, der gleich mehrere Bestmarken auf seinen Namen schreibt — Leverkusens jüngere Statistik-Ausreißer.
Mehr Titel in zwei Jahren als in vier Jahrzehnten
Zwischen 2022 und 2024 sammelt Bayer 04 mehr Trophäen ein als in den 40 Jahren davor zusammen.
Bayer 04 Leverkusen hat zwischen 2022 und 2024 mehr Pokale gewonnen (Meisterschale + DFB-Pokal + Supercup) als in den 40 Jahren davor zusammen.
Florian Wirtz und seine Bestmarken
Jüngster Bundesliga-Torschütze, jüngster DFB-Pokalfinal-Torschütze: Wirtz schreibt früh Statistik.
Florian Wirtz hält mehrere Rekorde: Jüngster Bundesliga-Torschütze, jüngster deutscher Nationalspieler (mit genauer Prüfung der Statistiken), jüngster Torschütze in einem DFB-Pokal-Finale.