Schlüsselfiguren
Ein Manager, ein Trainer und drei Spieler, die Bayer 04 zwischen UEFA-Pokal 1988 und Champions-League-Finale 2002 zur festen Größe der Bundesliga machten.
Reiner Calmund — der XXL-Manager, der Bayer 04 erfand
Vom Jugendleiter zum Mastermind: Calmund formt Bayer 04 in fast 30 Jahren bis zum Champions-League-Finale 2002.
„Don Calli“. Er „erfindet“ Bayer 04 Leverkusen sozusagen. Der korpulente Mann aus dem Erftkreis hat dem Werksklub bis zu seinem Ausstieg 2004 fast 30 Jahre seines Lebens verschrieben.
Als Jugendleiter, Jugendtrainer, Stadionsprecher und XXL-Manager. Der DFB-Pokalsieg 1993, Ausbau der BayArena auf 22.500 Plätze inklusive Hotel (1998), der Aufbau einer hervorragenden Scouting-Abteilung, die reihenweise brasilianische Stars und junge Spieler aus dem Rheinland unters Bayer-Kreuz holt, das Champions-League-Finale 2002 in Glasgow – nur einige Meilensteine in Calmunds Lebenswerk. „Bayer ist mein Lebensmittelpunkt“, sagt Calmund 2003 kurz vor seinem überraschenden Abschied, „ich war in meinem Klub schon alles, ausgenommen aktiver Spieler.
Ich habe den Aufstieg miterlebt und natürlich die Höhepunkte auf der europäischen Fußball-Bühne.“
Ulf Kirsten — der Sachse mit 181 Bundesliga-Toren
Über Wolfgang Karnath holt Bayer 1990 den Dynamo-Dresden-Stürmer, der zum Top-Torjäger der Neunzigerjahre wird.
Ulf Kirsten – „Der Schwatte“. Der Stürmer aus Sachsen gehört zu den berühmten DDR-Transfers, die von Bayer-Original Wolfgang Karnath eingefädelt werden. Der Mitarbeiter von Bayer Leverkusen, als „rechte Hand“ von Calmund mit einem legendären Ruf in der Branche bekannt, der schon den Deal mit Andreas Thom von BFC Dynamo Berlin eingefädelt hat, angelt für Bayer auch den bei Dynamo Dresden spielenden Angreifer.
Ulf Kirsten wird zum erfolgreichsten Torjäger der Neunzigerjahre und gewinnt 1993, 1997 und 1998 die Torjägerkanone. In 350 Bundesligaspielen zwischen 1990 und 2002 kommt er auf 181 Tore und ist damit siebtbester Torschütze der Bundesligahistorie (Stand: Dezember 2019).
Rudi Völlers Rückkehr von Olympique Marseille
Mit 34 wechselt der Weltmeister 1994 nach Leverkusen — und trifft in 62 Bundesligaspielen 26-mal.
Vom Rückkehrer zur Bayer-Legende. Dass der weit gereiste Weltstar, der in Frankreich und in Italien Erfolge gefeiert hat, mit 34 in die Bundesliga zurückkehrt, gilt als Sensation und als echter Coup von Bayer-Macher Reiner Calmund. Am 23. August 1994 ist der Deal mit Olympique Marseille perfekt und Rudi Völler wechselt zu Bayer Leverkusen.
„Ich wollte eine Mannschaft mit großen Ambitionen“, begründet er in der TV-Sendung Ranissimo diesen Schritt, „und die hat Bayer, man will viel erreichen. Ich traue mir noch einige Törchen zu.“ Damit untertreibt der gute Rudi. In 62 Liga-Spielen trifft der legendäre Mittelstürmer bis zu seinem Abschied 1996 noch 26-mal.
Rüdiger Vollborn — Rekordspieler mit zwei Bayer-Titeln
Der U20-Weltmeister von 1981 bringt es auf 472 Pflichtspiele und ist bis heute der einzige Bayer-Spieler mit zwei Titeln.
Der Rekord-Spieler. Zwar hat der Torhüter aus Berlin nie ein A-Länderspiel für Deutschland gemacht, doch als U20-Junioren-Weltmeister von 1981 wird Rüdiger Vollborn dennoch unsterblich. Damals spielt der von Blau-Weiß 90 Berlin verpflichtete Keeper noch in der Jugend von Bayer 04 Leverkusen.
Vollborn avanciert mit 472 Pflichtspielen, davon 401 in der Fußball-Bundesliga, zum Rekordspieler von Bayer 04 Leverkusen. Einen weiteren Rekord hält er ab 1993 über mehr als 25 Jahre. Die Erfolge im UEFA-Pokal 1988, als Vollborn im Final-Rückspiel gegen Espanyol Barcelona einen Elfmeter hält, und im DFB-Pokal 1993 in seiner Geburtsstadt Berlin gegen Herthas Amateure (1:0) machen ihn zum einzigen Spieler, der mit Bayer 04 Leverkusen zwei Titel gewinnen kann.
Vollborn ist auch nach dem Karriere-Ende (2000) dem Verein des Bayer-Konzerns verbunden. Er wird Experte und Co-Kommentator beim „Werkself Radio“, führt die Stadion-Tour und das Vereinsarchiv und prägt einen bis heute legendären Spruch: „Der Torwart ist der Arsch, das kann man auch nicht ändern.“
Erich Ribbeck — der „Sir“ und der UEFA-Cup-Sieg 1988
In zwei Amtszeiten betreut Ribbeck Bayer in 171 Pflichtspielen und holt 1988 den UEFA-Pokal gegen Espanyol Barcelona.
Der „Sir“. Der Rheinländer, dem der Boulevard wegen seiner gesetzten Ausdrucksweise („Helmer hat sozusagen Gewicht gemacht – auf Deutsch: Er hat erbrochen“) den Spitznamen „Sir Erich“ verpasst, kommt 1985 zum Bayer-Klub. Ribbeck, zuvor u. a. als Assistent von Bundestrainer Jupp Derwall Vize-Weltmeister 1982, und Trainer der deutschen Olympia-Mannschaft in Los Angeles 1984, betreut Bayer 04 in der Folgezeit in zwei Amtsperioden in insgesamt 171 Pflichtspielen.
Nur Aufstiegstrainer Willibert Kremer (212) und Christoph Daum (185) leiten mehr Spiele der Leverkusener Mannschaft. Ribbeck holt mit Tita den ersten Brasilianer zu Bayer und führt das Team 1987/88 über die Stationen Austrian Wien (5:1 in der Addition), FC Toulouse (2:1), Feyenoord Rotterdam (3:2), FC Barcelona (1:0), Werder Bremen (1:0) und in den Finalspielen gegen Espanyol Barcelona (0:3, 3:0 n. V., 3:2 n. E.) mit dem Gewinn des UEFA-Pokals zum größten internationalen Erfolg der Klub-Historie. Nach Ausflügen als Sportchef des Hamburger SV 1988/89, Repräsentant der Firma Opel und Coach des FC Bayern München (1992/93) übernimmt Ribbeck Bayer Leverkusen 1994 ein zweites Mal.
Die Amtszeit bleibt jedoch erfolglos, Ribbeck muss im April 1996 die Entlassung hinnehmen. Sein Assistent Peter Hermann rettet Bayer vor dem Abstieg. Nach einem mehr als schwachen Comeback als Bundestrainer 1998 bis 2000 zieht sich Ribbeck als Pensionär nach Teneriffa zurück.
Nochmals in Leverkusen sieht man ihn am 33. Spieltag der Saison 2018/19, mit den Legenden aus 40 Jahren Bayer 04 in der Bundesliga.
B04 im Liga-Vergleich
Die Architekten der Meisterschaft 2024
Xabi Alonso: Der Wunder-Trainer.
Xabi Alonso — vom Nobody bei Real Sociedad B zum Meistertrainer
2022 als unbeschriebenes Blatt geholt, macht Alonso Bayer 04 binnen zwei Jahren zum deutschen Meister.
Kommt 2022 als Nobody von Real Sociedad B. Macht Leverkusen in zwei Jahren zum Meister. Lehnt Real Madrid und Bayern München ab. Sein taktisches System — ballbesitzorientiert, pressing-intensiv, positionsflexibel — revolutioniert die Bundesliga.
Florian Wirtz — Wunderkind und Spielmacher der Meistersaison
Bundesliga-Debüt mit 17, Nationalspieler mit 18, Marktwert über 130 Millionen Euro.
Das Wunderkind. Bundesliga-Debüt mit 17, jüngster Torschütze der Liga-Geschichte, Nationalspieler mit 18. In der Meistersaison 2023/24 der Dreh- und Angelpunkt des Leverkusener Spiels. Sein Marktwert steigt auf über 130 Millionen Euro.
Granit Xhaka — der Anführer aus London
Vom FC Arsenal 2023 nach Leverkusen: Xhaka wird zum Taktgeber in Alonsos Mittelfeld.
Der Leader. Kommt 2023 von Arsenal und wird zum Anführer im Mittelfeld. Seine Ruhe am Ball und seine Passqualität sind entscheidend für Alonsos System.
Simon Rolfes — der Sportchef hinter dem Meisterkader
Der frühere Bayer-Mittelfeldspieler baut als Geschäftsführer Sport den Kader passgenau für Alonsos Spielidee.
Der Sportchef. Der ehemalige Leverkusener Mittelfeldspieler baut als Geschäftsführer Sport den Kader klug um und holt die richtigen Spieler für Alonsos Philosophie.
B04 — Financial Stability Score
Double-Saison und Wirtz-Transfer haben die Bilanz auf den stärksten Stand der Clubgeschichte gebracht. Aber: Das Geschäftsmodell steht und fällt mit Bayer AG. Wenn der Konzern — in der tiefsten Krise seit Bestehen — das Fußball-Engagement hinterfragt, hat Leverkusen keine alternative Erlösbasis. Die Bilanz zeigt einen Top-4-Club; die Konzernabhängigkeit zeigt eine Werkself.