Personae Non Gratae
Emir Spahic – Ein unglaublicher Ausraster. Beim „Werksklub“ fristlos gekündigt zu werden, das haben nur wenige Profis in mehr als 40 Jahren Bundesliga bei Bayer Leverkusen geschafft. Am 12. April 2015 brennen dem 94-fachen Nationalspieler Bosniens die Sicherungen durch. Nach dem 3:5 im Elfmeterschießen im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern München leistet sich der Abwehrspieler einen unfassbaren Blackout. Er geht auf mehrere Ordnungskräfte im Innenraum der BayArena los und greift die Männer tätlich an, ein Ordner wird verletzt und kommt ins Krankenhaus. Bayer 04 muss handeln – und löst den Vertrag mit Spahic nach Bekanntwerden des Eklats sofort auf. Der vom Hof gejagte Spahic braucht nicht lange, um wieder einen neuen Klub zu finden. Am 7. Juli 2015 unterschreibt er beim Hamburger SV.
Rinus Michels – Der unnahbare „General“. Die Verpflichtung des amtierenden Europameister-Trainers von 1988 scheint ein erster „Coup“ für den neu installierten Manager Reiner Calmund zu sein. Der Holländer ist am Rhein kein Unbekannter. Vor seiner Berufung zum „Bondscoach“ des niederländischen Fußball-Verbandes (KNVB) im Jahr 1986 arbeitet er schon einmal in der Bundesliga, beim Leverkusener Rivalen 1. FC Köln. Michels ist schon bei seiner Ankunft in Köln 1980 der bestbezahlte Trainer der Liga. Der DFB erkennt seine niederländische Trainer-Lizenz erst nach einigem Zögern an. Bei der Kölner Mannschaft, die mit Stars wie Klaus Allofs, Rainer Bonhof, Pierre Littbarski und Toni Schumacher nur so gespickt ist, kommt seine autoritäre Art ebenso wenig an wie auf der anderen Rheinseite in Leverkusen. „Rinus Michels konnte nie nett sein“, sagt der frühere Kölner Torwart Toni Schumacher heute über den Zuchtmeister aus den Niederlanden, so eine Art Louis van Gaal der Achtziger. In Leverkusen ist für den „General“ nach 24 Spielen Schluss. „In Köln bin ich an den Stars gescheitert. In Leverkusen daran, dass keine Stars da sind“, fällt Michels nach seinem „Aus“ ein ernüchterndes Urteil über den amtierenden UEFA-Cup-Sieger, „die Spieler hier sind viel zu brav für das Fußballgeschäft. Die Mannschaft ist einfach nur Mittelmaß.“
Roger Schmidt: „Schmidteinander“ auf der Tribüne. Der Sauerländer Roger Schmidt gilt zeitweise als High Flyer der deutschen Trainergilde, als er 2014 als amtierender österreichischer Meister (mit RB Salzburg) bei Bayer 04 Leverkusen unterschreibt. Nicht zu Unrecht, denn unter Schmidts Regie startet die Bayer-Elf fulminant mit einem 2:0-Auswärtssieg bei Borussia Dortmund in die Saison. In der Rückrunde bleibt man 528 Minuten ohne Gegentor, ein Vereinsrekord. Die Affäre zwischen Bayer 04 und Schmidt wird erst ab der zweiten Saison, 2015/16, zum Riesen-Missverständnis. Am 21. Februar 2016 sorgt Schmidt für die erste, von einem Trainer verursachte Spielunterbrechung in der Bundesliga-Geschichte. Während des Heimspiels gegen Borussia Dortmund (0:1) schickt ihn Schiedsrichter Felix Zwayer (Berlin) aus dem Innenraum. Der sture Sauerländer weigert sich aber, auf die Tribüne zu gehen, wonach Zwayer ebenfalls auf stur stellt und die Partie für neun Minuten unterbricht – bis Schmidt dem Verweis nachkommt. Die Folge: Wegen „unsportlichen Verhaltens“ sperrt der DFB Roger Schmidt für fünf Bundesliga-Spiele und verhängt eine Geldstrafe von 20.000 Euro. Seinen nächsten Innenraum-Verweis kassiert Schmidt am 2. Oktober 2016 bei der 0:3-Bundesliga-Heimspielniederlage gegen die TSG 1899 Hoffenheim, als er den gegnerischen Trainer Julian Nagelsmann verbal attackiert. Schmidt, ohnehin unter Beobachtung des DFB, wird erneut gesperrt. Ohne sein Mitwirken muss Bayer eine historische Pokal-Pleite beim Drittliga-Aufsteiger Sportfreunde Lotte hinnehmen. Nach dem 2:6 beim Borussia Dortmund, also da, wo Schmidts Höhenflug mit Bayer angefangen hat, ist am 5. März 2017 Schluss mit dem „Schmidteinander“. Bayer Leverkusen trennt sich von Roger Schmidt.

Bernd Schuster: Skandale pflastern die Karriere des bösen blonden Engels. Bernd Schuster beginnt seine Fußballkarriere im Dezember 1969 in der Jugend des SV Hammerschmiede in Augsburg. Er wechselt 1976 zum FC Augsburg. Im Jahr 1978 gibt er sein Debüt in der Fußball-Bundesliga beim 1. FC Köln, obwohl er bereits zuvor bei Borussia Mönchengladbach unterschrieben hat. In seiner ersten Saison erreicht er mit den Kölnern 1979 das Halbfinale des Europapokals der Landesmeister und verliert gegen Nottingham Forest. Nach 61 Bundesligaspielen für die Kölner wechselt Schuster 1980 nach Spanien zum FC Barcelona.
Dort bleibt er acht Jahre und wird einmal Meister, dreimal Pokalsieger und gewinnt den Europapokal der Pokalsieger. Dann begeht er einen Tabubruch und wechselt zu Real Madrid. 1990 begeht er einen weiteren Tabubruch und wechselt zum Stadtkonkurrenten Atlético Madrid. Neben dem Spanier Miquel Soler ist Schuster damit der erste von nur zwei Spielern, die es schaffen, bei allen drei großen spanischen Vereinen gespielt haben.
1993 kehrte Schuster in die Bundesliga zurück und spielt bis 1996 für Bayer Leverkusen. Im Jahr 1994 gelingt ihm das Kunststück bei der Wahl zum Tor des Jahres die ersten drei Plätze zu belegen.
Zur Persona non grata in Leverkusen wird der bayerische Schwabe unter der Ägide von Erich Ribbeck. Dieser verbannt den langsam und zum Standfußballer mutierten Altstar immer häufiger auf die Ersatzbank. Schuster greift zu drastischen Mitteln und versucht sich juristisch einen Stammplatz garantieren zu lassen. Die Folge: Bayer Leverkusen suspendiert den blonden Engel. Dieser wechselt zu UNAM Pumas in Mexiko-Stadt und beendet seine Spielerkarriere im Jahr 1997.
Peter Bosz übernahm Leverkusen 2018 und begann mit einer Siegesserie, die an die besten Zeiten des Vereins erinnerte. Dann kam der Absturz: Von der Tabellenspitze in die untere Tabellenhälfte, Bosz verlor die Kontrolle über die Mannschaft und wurde entlassen. Sein Höchstflug und Fall innerhalb weniger Monate machte ihn zum Beispiel für die Flüchtigkeit des Erfolgs in Leverkusen – bevor Xabi Alonso bewies, dass es auch anders geht.