Phantom-Tor 1: 7. März 1981. Es riecht nach Sensation im Ulrich-Haberland-Stadion. Bayer 04 spielt seine zweite Bundesligasaison und macht an diesem Tag den amtierenden und kommenden Meister FC Bayern München platt. 3:0 steht es schon zur Halbzeit, alle Tore erzielt der Norweger Arne-Larsen Ökland. Es läuft die 72. Minute, als etwas geschieht „was es in der Bundesliga so noch nie gegeben hat“, wie ARD-Kommentator Fritz von Thurn und Taxis staunt. Wieder einmal kommt von rechts eine Flanke von Wolfgang Vöge vor das Bayern-Tor und Ökland ist schneller als sein Bayern-Gegenspieler. Aus kurzer Distanz schießt er den Ball hoch ans Außennetz, das sich kräftig ausbeult. Die Zuschauer auf der Tribüne jubeln und auch Schiedsrichter Werner Horeis hat aus seiner Perspektive den Eindruck, der Ball sei im Tor gewesen. Er zeigt zur Mitte, doch die Bayern-Leader Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge protestieren so heftig, dass Ökland das Gewissen plagt. Der 26-jährige geht zu Horeis und – so besagt es die Fußball-Legende - will diesem gesagt haben: „Ich will Ihnen helfen, weil Sie so gut gepfiffen haben.
“ Horeis drückt Ökland die Hand und annulliert das Tor. Kalle Rummenigge schüttelt den Kopf, bedankt sich dann aber auch bei Ökland, der hinterher natürlich von der Presse umringt ist. „Wenn es kein Tor war, muss ich das auch sagen“, sagt er Ungewöhnliches für Reporter-Ohren, die solche Sätze im harten Bundesligageschäft wohl noch nie gehört haben. Natürlich kommt die Frage auf, ob er auch beim Stande von 0:0 auf sein Tor verzichtet hätte. „Doch, ich glaube schon“, sagt Ökland, der mit seinen Gedanken schon ganz woanders ist. Er will unbedingt seine Frau anrufen, sie soll den Videorekorder programmieren. Ausschnitte seines großen Auftritts kommen ja anschließend in der ARD-Sportschau und die kann der Held des Tages nicht sehen, da er bereits ins ZDF-Sportstudio eingeladen ist. Doch in der Aufregung fällt ihm seine eigene Telefonnummer nicht mehr ein. Wie das eben so kommt, wenn man unverhofft im Rampenlicht steht. Das Medien-Echo ist gewaltig. „Seit Samstag darf man wieder an die Fairness in der Bundesliga glauben“, schreibt die Münchner tz.